Friedlisberg Anregung statt Üiberreizung am 5. Peace-Mountain
Das Programm so breit wie nie zuvor und die Stimmung so speziell wie stets: Am fünften Peace-Mountain-Open-Air stimmte der Ton für Musiker und Publikum.
Friedlich, beschaulich, zum glückich und gut aufgehoben sein - solche Gefühle mögen aufkommen auf dem Friedlisberg bei der Fahrt durch die sonnige Dorfstrasse, vorbei an den Vorgarten-Riegel-Geranien-Häusern.
Die gleiche Stimmung hat am Wochenende auch das Gelände ob dem Dorf beherrscht, wo hinter einer Kuppe alle Gebäude verschwinden. Dort öffnet sich, den Sternen schon viel näher, am Waldrand auf der grünen Wiese der Peace Mountain, das Festivalgelände mit Bühne, dreimastigem Sarasani-Zelt und Zeltdorf. Nicht die pure Masse auf und vor der Bühne macht hier das Erlebnis, sondern ein Atmosphären- Mix aus alternativem Familienfest, FeenTreff, Konzert - und unerreicht tiefen Preisen. Auf dem grossen Gelände ist viel Platz, und so musste die Eröffnungsband «Trash bag» das Publikum erst vor die Bühne locken. Die Familienband von Würi Baldenweg macht Musik mit Abfallsäcken und Kaffeemaschinen (neben Gitarre und Schlagzeug) und zeigt musikalisch, was die Veranstalter beim Aufbau bewiesen haben: Liebe zum Detail statt Protz. «Hier ist alles und besonders das Licht sehr kreativ und persönlich gestaltet, mit einem riesigen Aufwand», hebt Gerry, ein Besucher aus Zufikon, hervor. Um die riesige Discokugel in der Mitte des Geländes dreht sich. tatsächlich ein fantastischeFolk zum Abtanzen
Hier kann irischer Folk zum Dancefloor-Sound werden: «the barley shakes» aus Dublin brachten das Publikum und sich selbst richtig in Bewegung. Aber auch der aufregende Ethno-TripHop von «Lounge chic» - inklusive Dudelsack - fuhr direkt in die Glieder. Um vier Uhr morgens war ihr Auftritt zu Ende, auf der Sarasanibühne im Zelt liess erst um sechs Uhr der Letzte die Saiten ruhen. Dort lösten sich an drei Tagen kleinere Formationen und Jam Sessions ab. Von Folk bis Hip-Hop, von Grunge bis Salsa reichte das deutlich verbreiterte Programm. Der Mix kam an, wie Sven aus Rudolfstetten stellvertretend findet: «Gerade dank der irischen Musik hat es auch etwas ältere Leute, und das finde ich gut. Zudem ist das Open Air einwichtiger Treffpunk in der Region.» Ein Treffpunkt mit geschätzt 1300 Besuchern an den beiden Abenden. Bei 1000 lag der bisherige Rekord.
«Was uns gefällt»
Um ein möglichst grosses Publikum gehe es ihnen aber nicht, meint Marc Müllhaupt von den Organisatoren. «Wir engagieren die Bands, die uns gefallen. Die «barley shakes» habe ich beispielsweise letztes Jahre am Open Air in Sankt Gallen gesehen, und jetzt sind sie hier.» Und auch sie erleben die familiäre Atmosphäre. Üibernachtet und weitergefeiert haben die Dubliner bei Müllhaupt zu Hause in Bergdietikon. Die meisten Gruppen erhalten auch einen «Schönwetterpreis» als Erfolgsbeteiligung.
Nach dem «lüpfigen» ersten Abend gewannen am Samstag eher schwerere Melodien und dominantere Gitarren die Bühne zurück: Der Grunge von «Bloom» etwa, der Rock von «the endless road» oder der Ska von «the peacocks». Am Sonntag schliesslich liess ein Jazz-Brunch das Aufräumen (oder den Montagmorgen im Büro) noch für eine Weile vergessen.
Quelle: Aargauer Zeitung vom 21. August 2000
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