FRIEDLISBERG - Das Open Air brach mit rund 6000 Besucherinnen und Besuchern alle bisherigen Rekorde
Wie eine Insel erhebt sich der «Peace Mountain» über dem Alltag. Als wärs ein Volk von einem anderen Stern, pflegten die blumigen Kinder und bunten Punks friedliche Geselligkeit, gaben sich ganz der Musik hin und ihrer Kreativität Ausdruck. Gegen 6000 waren es diesmal.
Am diesjährigen Peace Mountain wurden Grenzen gesprengt. Waren es im vergangenen Jahr 4000 Open-Air-Besucherinnen und -Besucher, tummelten sich bereits am Freitagabend deren 3000 auf dem weitläufigen Gelände und am Samstag gesellten sich mindestens wiederum so viele zueinander. Bei einem gepflegten Jazz-Brunch, an dem auch viele Friedlisbergerinnen und Friedlisberger teilnahmen, klang das farbenfrohe Fest am Sonntag gemächlich aus.
Mit «Peaslis» bezahlt
Unzählige Helferinnen und Helfer liessen bei der Vorbereitung des Open Airs ihrer Fantasie freien Lauf, setzten viel Energie in die Umsetzung fantastischer Imbisszelte, Sitzecken, Schaukelstühle und viele kleine und grössere Kunstwerke und illuminierte Installationen. Ihrem grossartigen Einsatz hat das Open Air seine einmalige, farbig-originelle Ausstrahlung zu verdanken. Eines der Zelte war ganz der Kreativität und dem Austausch von Ideen gewidmet. Den ganzen Samstag über wurde dort gemalt, gehämmert, geklebt und Stein gehauen. Die jungen Menschen widerlegten darin auch das Vorurteil, sie seien passiv und politisch uninteressiert. Allgegenwärtig waren Slogans und Argumente für schonenden Umgang mit der Natur, gegen Rassismus und gegen Krieg. «No Stress» war offensichtlich eines der Hauptanliegen aller Anwesenden auf dem Peace Mountain. Es wurde geschlendert, entspannt, und in den verkraftbaren Schlangen vor den Essen- und Getränkeausgaben gabs keine langen Gesichter. Auch in Sachen Organisation haben die Friedlisberger wieder dazugelernt. Sie führten ein, was in Montreux am Jazz-Festival gang und gäbe ist: Statt dass an jedem Stand mit Bargeld bezahlt werden muss, was viel Wechselgeld an vielen Stellen bedeutet, führten sie als Währung «Peaslis» ein. An einer zentralen Umtauschstelle konnte das Publikum sein Geld gegen Coupons tauschen, wovon dann an den Kassen der jeweilige Preis in «Peaslis» abgeschnitten wurde. Erstmals verfügte das Peace Mountain auch über genügend fliessendes Wasser. Eine weitere Neuerung war, dass für das Parkieren der Autos fünf Franken bezahlt werden mussten. Eine sinnvolle Massnahme, da zahlreiche Besucherinnen und Besucher trotz stetem Shuttle-Bus-Betrieb ab dem Bahnhof Mutschellen ihr eigenes Pferd dennoch nicht im Stall lassen.
Musik und Theater
Unter der Kuppel der schönen Bühne präsentierten sich zahlreiche Bands und eine Theatergruppe zeigte Ausschnitte aus ihrem spektakulären Programm. Weitere Musik erklang von der Nebenbühne im Chai-Zelt, wo es sich das Publikum auf Sofas, Teppichen und an Festbänken bequem machte. Immer wieder fanden sich auf dem Open-Air-Gelände einige Musikerinnen und Musiker zusammen und improvisierten vor kleinem Publikum oder für sich selbst. Im Schein von Feuerstellen und flirrenden Lichtinstallationen sassen die Menschen grüppchenweise beisammen, wenn sie nicht gerade mit der Musik von der Bühne träumten, bewegt tanzten oder mit den härteren oder psychedelischen Beats «abspaceten». Einiger Staub wurde aufgewirbelt beim Aufritt der Gruppe «The Fuckadies». Die Fans gaben sich beim Tanz ganz in die wilden Rhythmen, stampften, sprangen in die Luft, rempelten sich an, ganz nach dem Vorbild der Protagonisten auf der Bühne. Dabei staubte die Erde vom trockenen Kornfeld am Boden meterhoch in die Luft, dass an Atmen kaum mehr zu denken war und selbst die Musiker um Beruhigung baten. Jedenfalls war der Spass auf allen Seiten gross und somit das Ziel des Festes erreicht.
Quelle: Aargauer Zeitung vom vom 25. August 2003
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