«Su le mani uf em Friedlisberg»

OPEN AIR · Ein friedliches Peace Mountain

PHILIP GEHRI

An jedem Festival fühlt sich der eine oder andere Sänger bemüssigt, Publikum und Umgebung zu loben. Doch wohl an keinem Open Air tun sie das so häufig und so nachdrücklich wie am Peace Mountain. Und an keinem anderen Festival kauft man es ihnen so sehr ab.

«Caffécorretto» war so ein Fall. «Diese Veranstaltung ist einmalig», lautete ihr ziemlich trockenes Statement. Alles andere als trocken waren ihre gut gemachten funky Tunes, hörbar in der Art von Jovanotti: che bel sound, su le mani uf em friedlisberg und so (zu Deutsch: Hände hoch). Sie führten damit die Arbeit weiter, die vor ihnen die fast Lokalmatadoren und arrivierten Newcomer Chrysalis mit einer starken musikalischen Leistung begonnen hatten: Die Leute von den vielen gemütlichen Plätzli auf dem Friedlisberg vor die Bühne zu locken und dort in tanzende Bewegung zu versetzen.

Am Freitag hatte «An Lár» als Opener diese Aufgabe, gefolgt von Elvis Jackson mit ihrer energiegeladenen Bühnenshow. Die war mehrheitsfähiger als der folgende Act: Wegen «Prejudice» waren die einen extra gekommen und die anderen, zahlreicheren wurden wegen Prejudice nicht zu Hardcore-Fans - aber abwechslungsreich muss ein Peace Mountain sein. Und so machten «Flower» Rocker den Freitags-Schluss.

Tanzstunde mit Gewinnchance

Die Sache mit der Publikums-Aktivierung besonders ernst genommen hat das «Orquesta Afincanodo». Neben diversen Olas und Salsa-Klatsch-Kursen stellten sie den am besten tanzenden Paaren eine CD in Aussicht. Der eine oder die andere mochte sich sowieso an den Salsa-Kurs vom vergangenen Sommer erinnert fühlen bei den Salsa Hits von der Bühne und den anderen, die es viel besser können. Die dreizehnköpfige schweizerisch-südamerikanische Combo lässt einen mit ihrer Musik eigentlich nur eine Wahl: Zu tanzen und und Klischees zu bemühen - feurig!

«Skalariak» machten weiter mit dem Tempo einer Ambulanz im Notfall, die Posaune ersetzte das Cis-gis-Horn. Und zur Kraft der Musik kam die der guten Sache. Aus Juantxo Skalaris Kommentaren mochte man zwar schlau werden oder auch nicht, aber mit der palästinensischen Flagge und dem Transparent für die baskischen Häftlinge war die Sache dann schon klar. Klar war sie eigentlich sowieso: Der Durchschnittspuls beim Publikum war auch über die dritte Reihe hinaus längst dreistellig und «kochend» wäre bescheiden gesagt gewesen. An das kamen «Bubblebeatz» nicht mehr ganz heran, aber sie kitzelten doch erstaunlich viel Farbe aus ihren (fast nur) Abfall-Instrumenten.

Bis auf den Parkplatz

Selbstverständlich blieb es musikalisch nicht bei den Hauptbühnen-Acts: Im gemütlichen Sarasani-Zelt kam noch einmal ein komplettes und ganz feines Programm für die kleine Bühne zusammen von Blues bis Reggae, am Lagerfeuer wurde getrommelt, vom Waldrand tönten die Didgeridoos, in der Nachtbar pochte Acid Jazz - und selbst auf dem Parkplatz tönte Manu Chau aus einem Autoradio. Peace Mountain ist inzwischen einer der meistbesuchten Anlässe im Freiamt und auf dem Heimweg machte die dritten Zugabe von Skalariak auf den Lippen sein: «Ciao, Bella, ciao, ciao, ciao», auf Wiedersehen im nächsten Jahr.

Quelle: Aargauer Zeitung vom 28. August 2002


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