Der Friedlisberg wurde am Wochenende wieder zum 'Peacemountain'
Von Freitag bis Sonntag fand zum sechsten Mal das 'Peace-Mountain'-Openair statt. Die Freunde der musikalischen Diversität und des Nonkonformistischen dürften sich besonders wohl gefühlt haben auf dem Friedlisberg.
(zig) Wenn man für ein Openair nicht nur die Bands, sondern auch das Wetter verpflichten könnte, dann würden die Konzertveranstalter garantiert solches bestellen, wie es über dieses Wochenende herrschte: mehr als dreissig Grad, trockener Boden und praktisch wolkenlose Tage, weshalb sich nach dem Einnachten ein herrlicher Sternenhimmel zeigte. Das Festgelände am Waldrand war dementsprechend gut besucht. Das Erscheinungsbild mit den verschiedenen Zelten und der unverzichtbaren Tequilla-Bar in Sombrero-form war früheren Jahren ähnlich (und somit gut). Was das Licht anging, setzte man erneut auf eine Mischung aus elektronischer Lichtshow und Schwedenkerzen.
Unterschiedliche Stilrichtungen
An dieser Stelle ist wieder einmal zu betonen, dass es sich beim 'Peace Mountain' nicht um eine Veranstaltung mit kommerziellen Zielen handelt. Die Organisatoren opfern jeweils eine ganze Woche für das Einrichten des Festplatzes. Dazu kommt noch die viele Vorarbeit, welche ein solcher Anlass erfordert. Umso mehr ist es ihnen zu gönnen, wenn sie dann die Früchte ihrer Anstrengungen auch ernten können.
Auf der Hauptbühne ging mit 'Xenderno' schon früh die Post ab. Die Ankündigung auf der - übrigens wirklich sehenswerten - Homepage, diese Band lasse sich seit Jahren in keine Schublade stecken, liess Schlimmes befürchten. Es wurde aber schnell klar, dass es sich hier nicht um eine Band handelte, die einfach etwas Undefinierbares spielte, das man keiner Stilrichtung zuordnen konnte. Nein, diese vier Musiker hatten die unterschiedlichsten Stile im Griff. Vom Protestsong über Metal und Punk bis hin zur vielbejubelten Adaption eines slawischen Volksliedes wirkte die Gruppe souverän. Kaum verwunderlich, dass die vier nicht ohne Zugabe gehen durften. Dannach gab es etwas für die Fans des lauten Rocks.
Die Attraktion des Abends waren aber drei Drummer von 'scream4'. Ihre Perkussionsinstrumente waren an einem Metallrahmen auf der Bühne befestigt, was das Schlagen von relativ vielen Instrumenten erlaubte. Die drei trugen alle schwarze Kostüme mit Kapuzen und eine weisse Maske auf dem Gesicht (in Anlehnung an den gleichnahmigen Film). Die Trommelperformance hatte denn durch diese Kostüme und die Art der Bewegungen auch etwas von einem modernen Totentanz an sich. Das mythologische Bild vom Trommelnden Tod stimmte ebenfalls zu diesem Auftritt. Sehenswert war die Show auf jden Fall.
Ruhiger auf der Sarasanibühne
Technisch war diese Gruppe sowieso auf einem sehr beachtlichen Niveau. Auch als sie mit leeren Petflaschen trommelte, wirkte dies nicht wie eine bloss gut aussehende Einlage, sondern es brachte tatsächlich völlig andere Klänge hervor Insgesamt war die Begeisterung für die ungewöhnliche Vorstellung gross. Gut möglich, dass man von dieser Gruppe noch hören wird.
Derweil diese Ereignisse sich auf der grosser Bühne abspielten, gab es auf der Sarasanibühne ruhigere Rhythmen. Auch die Songwriter-Musik wusste durchaus zu gefallen. Die uralte Ballade 'The Boxer' wurde zum Beispiel wirklich gut gespielt. Diese Art der Musik fand genauso ihr Publikum wie die vorher erwähnten Stile.
Gelungenes Programm
Insgesamt war auch das diesjährige Festival wieder vom Geist der Organisatoren getragen. Man hörte unabhängige, engagierte Musik an einem wunderbaren Ort. Die Veranstaltung kann als gelungen bezeichnet werden, die mesiten der Besucher werden wohl im nächsten Jahr wiederkommen.
Qualitativ wie atmosphärisch kann dieses Openair absolut mit wesentlich grösseren Anlässen mithalten. Was vor ein paar Jahren als verrückte Idee begann, ist auf dem besten Weg, eine Institution zu werden, eine Institution im positiven Sinne.
Quelle: Bremgarter Zeitung vom 28. August 2001
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